Pferde brauchen Wissen, Herz und Haltung
Der Kodex unserer Qualifikationen und Weiterbildungen für Pferde-Menschen
Die Kölner Pferde-Akademie vermittelt seit über 25 Jahren Qualifikationen für Pferdehalter, Betriebsleiter und Selbstständige im Pferdebereich. Dabei verstehen wir Ausbildung nicht nur als Vermittlung von Wissen und Fähigkeiten, sondern auch als Entwicklung von Haltung und Verantwortung.
Unser Grundgedanke
Wer mit Pferden lebt, arbeitet oder sie ausbildet, übernimmt Verantwortung für ein fühlendes Lebewesen.
Ein Pferd ist kein Sportgerät, kein Trainingsobjekt und keine Projektionsfläche menschlicher Erwartungen.
Es ist ein eigenständiges Lebewesen mit eigener Wahrnehmung, eigenen Bedürfnissen und eigener Persönlichkeit.
Die Kölner Pferde-Akademie versteht Ausbildung im Pferdebereich neben der Vermittlung von Wissen und Fähigkeiten, auch als Entwicklungspotenzial von Haltung, Verantwortung und Bewusstsein des Menschen für seine besondere Verantwortung für das ihm anvertraute Mitgeschöpf Pferd.
Die folgenden Leitlinien bilden die ethische Grundlage unserer Arbeit und unseres Handelns als Pferde-Menschen.
1. Das Pferd hat immer Recht.
Es liegt in der Verantwortung des Menschen, die Ursache zu erkennen und dem Pferd sein Anliegen verständlich, fair und klar zu erklären.
2. Das Pferd ist ein Pferd.
Das Pferd ist weder Sportgerät noch Seelenpartner, weder Kinderersatz noch Projektionsfläche menschlicher Bedürfnisse.
Wer mit Pferden umgeht, sie verantwortungsvoll hält, oder ausbildet, respektiert ihre Natur als Herdentier, Dauerfresser und Lauftier.
Die Vermenschlichung des Pferdes ignoriert seine natürlichen Bedürfnisse und kann dem Pferd ebenso schaden wie der Beziehung zwischen Mensch und Pferd.
Verantwortungsvolle Pferde-Menschen achten deshalb darauf, dass ihre Entscheidungen sich an der Natur des Pferdes orientieren und nicht an menschlichen Wunschbildern.
3. Der Mensch braucht das Pferd mehr als das Pferd den Menschen.
Ein Pferd ohne Reiter ist immer noch ein Pferd.
Ein Reiter ohne Pferd ist nur noch ein Mensch.
(Jerzy Lec)
Der Mensch sucht beim Pferd Arbeit, Sport, Freizeit, Orientierung und persönliche Entwicklung. Das Pferd braucht all das nicht.
Was für uns Menschen ein Vergnügen ist, kann für das Pferd körperlich wie mental harte Arbeit sein. Deshalb liegt es in der Verantwortung des Menschen, sensibel wahrzunehmen, wann ein Pferd überfordert, unterfordert oder missverstanden wird.
4. Der Mensch verdankt dem Pferd große Teile seiner zivilisatorischen Entwicklung.
Seit dem Neolithikum begleitet das Pferd den Menschen als Transportmittel, Arbeitspartner, Nahrungsquelle, Kriegsgefährte und Statussymbol.
Die Verbreitung, Mobilität und Entwicklung des Menschen wurden durch das Pferd maßgeblich beeinflusst. Ohne das Pferd wäre die Geschichte der Menschheit eine andere gewesen.
Aus dieser jahrtausendelangen Beziehung erwächst eine besondere historische Verantwortung des Menschen gegenüber dem Pferd. Eine Verantwortung, die auch in der modernen Pferdehaltung und Pferdeausbildung nicht vergessen werden darf.
5. Der Mensch schuldet dem Pferd alles – das Pferd schuldet dem Menschen nichts.
Aus dieser gemeinsamen Geschichte und aus der Abhängigkeit des Pferdes vom Menschen ergibt sich eine klare Verantwortung:
Der Mensch ist verpflichtet, dem Pferd mit Respekt, Fürsorge und Verantwortungsbewusstsein zu begegnen und es behutsam in die Menschenwelt zu führen und es dort zu beschützen.
Er schuldet dem Pferd eine artgerechte Haltung, eine faire und verständliche Ausbildung sowie Equipment, das dem Pferd angepasst ist und ihm keinen Schaden zufügt.
6. Pferdetraining ist immer auch Menschentraining.
Fehler in der Kommunikation entstehen immer beim Menschen.
Deshalb besteht Pferdetraining nicht nur darin, dem Pferd etwas beizubringen, sondern auch an sich selbst zu arbeiten. Insbesondere an der Selbstwahrnehmung, seinem Timing, seiner Körpersprache, seiner emotionalen Kompetenz und seiner inneren Haltung.
Die Klarheit, Ruhe und Präsenz des Menschen bestimmen maßgeblich, was zwischen Mensch und Pferd möglich wird.
7. Wie Du beim Pferd bist, bist Du überall.
Du kannst kein großartiger Mensch sein und gleichzeitig schlecht mit Pferden umgehen, oder umgekehrt.
Pferde reagieren unmittelbar auf unser Verhalten, unsere Energie und unsere Signale, egal ob bewusst wie unbewusst. Im Umgang mit Pferden zeigt sich der wahre Charakter eines Menschen und spiegelt seine Fähigkeiten zur Geduld, Respekt und Selbstkontrolle.
Es liegt in unserer Verantwortung und Bereitschaft offen in diesen Spiegel zu schauen und für das Pferd, andere Menschen und uns selbst zu lernen, ein besserer Mensch zu werden.
8. Die Welt des Pferdes ist nicht die Welt des Menschen.
Pferde nehmen ihre Umwelt anders wahr als wir Menschen. Ihre Sinne, ihr Gehirn und ihre Instinkte unterscheiden sich grundlegend von unseren.
Nur weil der Mensch etwas nicht sieht, hört oder wahrnimmt, bedeutet das nicht, dass es nicht existiert. Wir Menschen bekommen es nur nicht so genau mit wie unsere Pferde.
Wer Pferde verstehen will, muss lernen, die Welt auch aus ihrer Perspektive zu betrachten.
Die Aufgabe des Menschen ist es daher, das Pferd behutsam in die Welt des Menschen zu führen und gleichzeitig in der Welt des Pferdes sein Beschützer zu sein.
Werde zum Bodyguard Deines Pferdes.
9. Wer mit Pferden arbeitet, verpflichtet sich zur Weiterbildung.
Verantwortung für Pferde bedeutet auch Verantwortung für Wissen.
Wer mit Pferden arbeitet, muss bereit sein zu lernen, Wissen zu hinterfragen und ständig zu erweitern.
Die Welt verändert sich ständig und mit ihr unser Wissen über Pferde, Training, Haltung und Verhalten.
Wer auf altem Wissen stehen bleibt oder an überholten Vorstellungen festhält, schadet nicht nur dem Pferd, sondern der gesamten Pferdewelt.
Jede neue Erkenntnis wirft neue Fragen auf und stellt bestehende Paradigmen infrage. Deshalb gehört lebenslanges Lernen zu den grundlegenden Pflichten eines verantwortungsvollen Pferde-Menschen.
10. Das Pferd ist der Maßstab unseres Handelns.
Alle Entscheidungen in Haltung, Ausbildung, Equipment und Nutzung müssen sich daran messen lassen, ob sie dem Pferd gerecht werden.
Dabei gilt: Pferd ist nicht gleich Pferd.
Neben den arttypischen Bedürfnissen gibt es große Unterschiede zwischen Rassen, Typen und individuellen Persönlichkeiten.
Nicht jedes Pferd kann alles gleich gut leisten oder jede Aufgabe erfüllen.
Die Verantwortung des Menschen besteht darin, das Pferd als Individuum zu sehen und sein Handeln stets am Wohlergehen dieses einzelnen Pferdes auszurichten und den Kurs zu ändern, wenn das Pferd es verlangt.
Am Ende muss sich alles, was wir mit einem Pferd tun, am Wohl des Pferdes messen lassen.
Unser Anspruch
Der Kodex der Pferde-Menschen bildet die Grundlage der Arbeit an der Kölner Pferde-Akademie. Wir selbst handeln nach diesen Leitlinien – und erwarten von allen, die unsere Qualifikationen erwerben möchten, dass sie diese Haltung teilen. Denn verantwortungsvolle Pferdearbeit beginnt mit der Haltung des Menschen.
Die Teilnehmer unserer Qualifikationen erkennen den Kodex der Pferde-Menschen an und verpflichten sich, ihr Handeln im Umgang mit Pferden an diesen Grundsätzen auszurichten.